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Geschichte der Bartligesellschaft Brunnen


Das Dorf Brunnen scheint bereits seit dem Mittelalter ein bekannter Fasnachtort zu sein. So ist in der Luzerner Chronik von Diebold Schilling dem Jüngeren nachzulesen, dass sich zur Fasnachtszeit am 8. Februar 1508 die "drei Länder" in Brunnen zur Besprechnung trafen.

Die Bartligesellschaft wurde offiziell jedoch erst am 11. Februar 1900 als Verein im "Hôtel Rigi allhier" gegründet. Zu den Gründern gehörten Dorfärzte, ein Seidenfabrikant, ein Weinhändler, ein Schlossermeister sowie ein Hotelier. Bereits ein Jahr davor existierte ein "Comité der Fasnachtsgesellschaft". Als Brauchtum ist die Bartlitradition aber wesentlich älter. Dafür gibt es mehrfache quellensichere Belege. So besitzt die Bartligesellschaft einen handgeschnitzten Bartlibecher, der einen Weinbauer mit Pluderhose und Wams darstellt. Er wurde als Trinkbecher genutzt. An der Unterseite ist dieser Becher mit dem Jahr 1770 datiert, Meistermarken am Silberbeschlag deuten aber auf das 17. Jahrhundert hin.

Zahlreich belegt sind weiter die Bartlispiele in Brunnen, welche in Anlehnung an die Commedia dell'Arte ursprünglich Stegreifspiele waren; eine typische Form der fasnächtlichen Dorf- und Rüge-Theater. Auf die Commedia dell'Arte - im 17. Jahrhundert europaweit verbreitet - weist auch der Name Harlegingg (Harlekin / Arlecchino) hin, der noch heute in der Brunner Fasnacht vorkommt. Diese italienischen Einflüsse sind durch den in Brunnen vorbeiführenden Handelsverkehr via Gotthard leicht erklärbar. Der älteste Beleg für die Bartlispiele stammt aus dem Jahre 1741, als der Rat zu Schwyz gegen diese Fasnachtsaufführung eingeschritten ist. Damals wird vermerkt, dass "zur Fasnacht zwölf rundi-Herren unter der Leitung Fürst Bartlis" derbe Spiele aufgeführt hätten. Es war in der Regel eine Art populistischer Neubürger-Aufnahme. Zugezogene mussten sich diesem Dorfgericht stellen, wurden - ebenso wie Einheimische - verspottet und konnten sich durch die Bezahlung von Wein "freikaufen".

Bis 1784 fanden alljährlich - trotz Verbot! - Bartlispiele statt. Als Fragment ist ein Spiel aus dem Jahre 1829 erhalten. Auf Selbstironie lassen verschiedene Namen der Figuren im Spiel schliessen : es gab den Zapfelunzi, den Biredings oder den Nieneschön. Die Tradition der Bartlispiele wird bis heute fortgeführt, allerdings ohne festen Turnus.

Weiter deutet der Name Bartli auf das 17. Jahrhundert hin. Bartli hat mit Sicherheit nichts mit "Bart" zu tun, sondern bezieht sich auf den Apostel St. Bartholomäus, der als Schutzpatron der Pfarrkirche den Ehrenplatz auf dem rechten Seitenaltar hatte. Beim Bau der neuen Pfarrkirche ist dieser "Bartli" 1659 verdrängt worden, worauf die Brunner ein profanes Bildnis des beliebten Bartli bei der Sust errichtet und ihm an der Fasnacht die Ehre gegeben haben.

Neben der Fritschi-Tradition in Luzern, der Basler Fasnacht und einzelnen weiteren Bräuchen dürfte die Bartli-Tradition damit zu den ältesten der Schweiz gehören. Mit Sicherheit ist sie die zweitälteste Fasnachtstradition in der Zentralschweiz und die älteste im Kanton Schwyz.

Die Bartligesellschaft zählt über 300 Mitglieder, davon sind etwa 100 aktiv.

Rund 800 bis 1000 aktive Mitglieder beleben Jahr für Jahr die Brunner Fasnacht. Somit ist jeder zehnte Einwohner von Brunnen ein aktiver Fasnächtler